Neujahrestouren im Schnee um die Erfurter Hütte im Rofan

Gegen 6:00 Uhr starten wir pünktlich zu viert am Parkplatz an der A81, darunter sind die 2 Schneeschuh-Ersttäter Alexandra und Björn; Thomas und Stefan hingegen zählen zu den Profis. Nach staufreier Fahrt steigen wir gegen 10:30 Uhr in die Rofan-Seilbahn ein, die uns zur Bergstation und in unmittelbare Nähe der Unterkunft bringt. Nach wenigen Metern zu Fuß checken wir in der Erfurter Hütte (1834 m) bei Hüttenwirt Reimund ein. Es folgt Lagerbezug im sehr komfortablen "Biwak 1". Wir starten nach dem LVS-Test bei strahlendem Sonnenschein zur Aufwärmrunde an den Fuß der Haidachstellwand (2192 m). Unsere kurze Tour führt uns auch in unberührte steile Bereiche, welche für einen anstrengenden Aufstieg sorgt. Zurück auf der Terrasse der Hütte sorgen 2 vertauschte Hausgast-Armbänder bei jeder Bestellung für Lacher, da der Guide zum Kursteilnehmer wurde und umgekehrt. Kulinarisch lässt die Speisekarte keine Wünsche offen: wir müssen uns entscheiden, in welcher Reihenfolge die Speisen in den folgenden Tagen bestellt werden: Kässpätzle, Cordon Bleu, Gulaschsuppe, Kaiserschmarrn, Germknödel, Wiener Schnitzel, Hirtenmakkaroni und vieles mehr. Natürlich auch Hochprozentiges aus der Marille und der Birne destilliert. Das Einschlafen wird leider zur Qual, da einige Hüttenneulinge sich weniger rücksichtsvoll im Lager bewegen.

Am zweiten Tag führt uns unsere Wanderung bei herrlichen Kaiserwetter und besten Schneeverhältnissen vorbei an der Mauritzalm in Richtung der Haidachstellwand. Diese lassen wir rechts liegen und wandern über die Grubascharte (2.102 m) und einer imposanten Gratwanderung zur Rofanspitze (2.259 m). Auf dem Rückweg sind Thomas und Stefan noch nicht genug ausgelastet, so dass wir uns in 2er-Gruppen trennen. Thomas und Stefan wollten sich den Zustieg für die Tour am kommenden Tag näher anschauen. Nicht geplant war, dass die beiden bereits nach kurzer Zeit schon den kreuzlosen Gipfel erreichen: die Seekarlspitze (2261 m). Nach 888 Höhenmeter ist die Tour geschafft.Nach kurzer Mittags-Ruhe warten wir mit Spannung auf die Silvester-Speisekarte mit leckeren hüttenuntypischen Speisen wie Pfeffersteak oder Lachs. Die lange Tour des Tages sorgt für frühes Zubettgehen, während die beiden Abkürzer Alexandra und Björn den sternenklaren Himmel zum Nacht-Fotoshooting nutzen. Mit Stativ, Kamera und Strinlampen im Gepäck entstehen beeindruckende Aufnahmen der nächtlichen Berge, der Sterne und der Milchstraße fern jeglicher Lichtverschmutzung. Kurz vor Mitternacht werden die beiden Schlafenden geweckt, um im Lager auf das neue Jahr anzustoßen.

Dritter Tag, neues Ziel: wir schlafen etwas länger und starten nach dem üppigen hotelähnlichen Frühstücksbuffet in Richtung der Seekarlspitze (2261 m), die Thomas und Stefan tags zuvor bereits erklommen hatten. Den Gipfel beziehen wir, nachdem die 10er-Gruppe vor uns, diesen freigegeben hat. Die Tour dauerte knapp 3,5 Stunden. Von der Terrasse, welche mit Tagesgästen und etlichen Skifahrern besetzt ist, schauen wir den Starts der Gleitschirm- und Drachenfliegern zu. Nach dem Abendessen nutzen wir zu viert die wiederholt sternenklare Nacht um die in der Nacht zuvor gewonnenen Inspirationen auszuweiten. Nach ruhiger letzter Nacht - die ganzen "Hütten-Armateure" der Vortage sind an Neujahr bereits wieder abgereist - packen wir nach ausgiebigem Frühstück, entspannt unsere Ausrüstung in die Rucksäcke und fahren um 9:00 Uhr als Einzige in der Gondel ins Tal. Schnell ist das Auto beladen und die tief gefrorenen Scheiben freigekratzt, so dass wir um 10:00 Uhr die Heimreise antreten. Eine traumhafte 3-Tage-Sonneschein-Reise zum Jahreswechsel geht mit vielen schönen Eindrücken, nachhaltigen Erinnerungen vielen tollen Erlebnissen zu Ende.

Text und Bilder Alexandra Gotthardt & Björn Richter